Wenn du glaubst es geht nicht mehr tiefer, ooooh doch

Es ist einige Zeit verstrichen, als ich mich das letzte Mal meldete. In den letzten 30 Tagen hat mir mein Leben wieder einmal gezeigt, dass Marie es einfach nicht verdient hat in Sicherheit zu leben. 

Das Ergebnis der Ärztekommission war ernüchternd. Ich behalte meine 50%, die aber wenigstens auf Lebensdauer. Was dieses Urteil angeht, gebe ich auf. Ich habe keine Lust mehr mir von irgendwelchen Sesselfurzern, die seit Ewigkeiten keine Patienten mehr selbst behandelt haben, sagen zu lassen wie es mir geht. Meine Paranoia drängte mich aber dazu so viel wie möglich über jeden einzelnen Arzt dieser gottverdammten Kommission zu erfahren. Irgendwann könnte mir dieses Wissen weiterhelfen, wer weiß. Klar, in mir stiegen und steigen immer noch Rachegedanken hoch, bin mir aber bewusst dass es nichts bringen würde, also was solls? 

Nun gut, Mitte Juni durfte ich meinen 27. Geburtstag feiern. Mein 19. Geburtstag vor 8 Jahren hat sozusagen mein Leben geändert, ins Positive. Ich hatte damals endlich den Mut Andi gehörig in den Arsch zu treten. 8 Jahre sind ins Land gegangen, in diesen Jahren habe ich geheiratet, meinen Abschluss gemacht, meiner Mutter beim Sterben zugesehen, eine Fehlgeburt erlebt, bin von Zuhause ausgezogen, habe viele schöne aber auch grauenhafte Erlebnisse gehabt. Trotzdem verfolgt mich dieser Spacken immer noch, jede einzelne Nacht. Man sollte doch meinen, dass die ganze Geschichte mit der Zeit besser werden würde, aber nein. Die Zeit heilt keine Wunden, die Zeit lässt die Wunden vielleicht weniger schmerzen, sie lässt vielleicht Narben entstehen, aber sie reißt sie auch immer wieder auf, streut Salz und träufelt Zitronensaft noch drauf. 

Eigentlich sollte ich aus meinen Fehlern lernen, sprich ich sollte mich nicht mehr gegen das „System“ auflehnen, bin ich doch oft genug schon auf die Fresse gefallen. Mein innerer Rebell aber sagt mir, du wirst dich nie mehr unterdrücken lassen, du wirst es nie wieder zulassen dass andere über dich verfügen, du wirst kämpfen, egal wie viele Rückschläge es geben wird. 

Die Depression wird mich wieder einholen, momentan bewegt sie sich im leichteren Bereich, aber sie wird wieder in die schwere Schiene abrutschen. Scheißegal, nun habe ich bei mir einen anderen Ton angeschlagen. Ich werde meine Standpunkte in Zukunft energisch vertreten, habe keine Angst mehr vor den Reaktionen anderer Menschen, wenn ich meine Meinung sage, schlussendlich bin ich nur eine Person unter 7 oder 8 Milliarden Menschen. Ich bin bereit die Konsequenzen zu tragen und es wird verdammt nochmal Zeit mein Leben zu leben, trotz Widerstände, trotz Krankheit, trotz allem. 

Diese Tür ist zugefallen, eine nächste wird sich öffnen. 

Pechvogel

Warum sollte auch nur ein einziges Mal etwas in meinem Leben gut laufen? 

Heute durfte ich erfahren, dass eine Freundin, die ebenfalls Probleme mit dem Schwanger-werden hat, nun schwanger ist… naja, meine Meinung dazu ist ja hinreichend bekannt. Deswegen habe ich mir heute die Augen aus dem Kopf geheult. 

Da ich im Moment wieder in einer schweren Depression feststecke, setzt mir diese Nachricht sehr zu. Aber was solls? Mittlerweile sollte ich an Enttäuschungen gewöhnt sein, sofern sich so etwas überhaupt gewöhnen lässt.

Am Mittwoch musste ich vor die Ärztekommission der Rechtsmedizin, dieses Mal im Rekursverfahren. Wie immer dauerte das Gespräch nur 5 Minuten, wie man in diesen 5 Minuten auch nur ausreichend klarmachen soll, wie es einem geht, ist und bleibt mir ein Rätsel. Bisher war ich eigentlich recht zuversichtlich, dass ich die notwendige Punktezahl erreiche, aber eine Freundin sagte mir, dass sie nun nichts mehr bekommen habe. Sie ist ebenfalls wie ich, schwer depressiv. Meine Hoffnung sinkt in den Keller. Das Ergebnis habe ich noch nicht erhalten, mir wurde aber mitgeteilt, dass ich diesen innerhalb von 2 Wochen erhalten solle. Mein Eindruck: die Ärzte wollten nichts hören, es war ihnen irgendwie egal, daher denke ich nicht, dass ich dieses Mal irgendetwas erreiche. Was solls? Es läuft ja sowieso nichts wie es soll. Warum also ausgerechnet jetzt? Ich bin doch echt der geborene Pechvogel…

Am Freitag lernte ich meine neue Psychologin kennen. Eigentlich möchte ich meinen Psychologen nicht hergeben, langsam wird es aber zu einem finanziellen Problem, da ich ihn aus eigener Tasche bezahlen muss. Die Sitzungen bei der Psychologin hingegen wären für mich kostenlos. Je nachdem wie das Ergebnis der Ärztekommission ausfällt, wechsle ich oder nicht. Auf jeden Fall die Dame war sehr nett und ergriffen von meiner Geschichte, allerdings habe ich keine große Lust meine ganze Geschichte neu aufzuarbeiten… man wird sehen wie es weitergeht. 

Moralisch verwerflich

Ich weiß, Schadenfreude ist, besonders wenn es um die Gesundheit geht, moralisch verwerflich. Aber wenn ich ehrlich sein soll, manchmal lache ich mir doch ins Fäustchen. 

Im letzten Post hatte ich ja geschrieben, dass die Nichte meines Mannes per Notkaiserschnitt zur Welt gekommen ist. Wir haben dann den Grund dafür erfahren: die Frau meines Schwagers hatte eine Schwangerschaftsvergiftung mit drohendem Leberversagen. Sie liegt seit der Geburt in der Intensivstation. Heute noch wird sie nach Innsbruck verlegt. Unsere Krankenhäuser in Südtirol zählen eigentlich zu den besten in ganz Italien, aber hier scheint etwas im Busch zu sein, wenn man sie nach Österreich verlegt. 

Das Engelchen auf meiner Schulter schreit: Marie so darfst du nicht denken. Das Teufelchen hingegen gibt mir einen High-Five und sagt mir: die überhebliche Art meines Schwagers rächt sich nun in irgendeiner Weise. 

Ich sorge mich um beide, allerdings vergönne ich es meinem Schwager irgendwie. Manchmal schlägt das Karma zurück. Ihre heile Welt bröckelt. So gesehen bin ich über all die Maßen missgünstig und neidisch, allerdings hatte ich bis heute mehr Pech als sonst jemand, trotzdem stehe ich heute noch hier, zwar krank, aber mental stärker als viele andere. Diese mentale Stärke sehen die allerwenigsten, da ich mich relativ gerne isoliere. Man könnte mir eine gewisse Arroganz oder Herzlosigkeit vorwerfen, diese Dinge aber berühren mich nicht, da ich einfach schon schlimmeres gesehen und gefühlt habe. So viele Verluste, so viele Schmerzen, immer wieder auf den Deckel zu bekommen, das Pech nahezu magisch anzuziehen, trotzdem möchte ich nie nur einen Schritt in den Schuhen eines anderen laufen, ich behalte meine Schuhe, wenn sie auch drücken. 

Zurück zum Thema: nochmal, normalerweise reagiere ich anders, ich bin aber furchtbar nachtragend und wenn einem Menschen, der mir unrecht getan hat oder mir Schmerzen zugefügt hat, etwas passiert, steigt in mir eine Schadenfreude auf. Man muss einen Menschen schon sehr hassen, wenn man so denkt. Im Moment fällt es mir leicht, diese Gefühle vor meinem Mann zu verbergen, da ich ohnehin in einer depressiven Phase bin und kaum mit ihm rede, auch wenn ich zumindest was diese Situation angeht, innerlich Schadenfreudensprünge mache. 

Beide werden gesund, da bin ich mir sicher, aber mein Schwager soll einmal ein paar Tage lang erfahren, was es heißt zu leiden und in Unwissenheit und Unsicherheit zu leben. Mir tut es leid um die Frau meines Schwagers und um die Kleine, aber auf keinen Fall um diesen riesigen Hornochsen. 

Traurig

Mein Leben will mir wirklich zeigen, dass ich es nicht verdient habe glücklich zu sein. 

Gerade kam ein Anruf von meinem Schwager, seine Frau hätte ihr Kind gerade per Notkaiserschnitt zu Welt gebracht. Beide sind wohlauf und gesund. 

Ich bin nur noch am Weinen. Wieder einmal ein tolles Beispiel, dass die meisten anderen alles bekommen was sie sich wünschen. Toll. Ich kann nicht einmal Kinder zur Welt bringen, nicht einmal etwas was sonst die meisten können. 

Mein Mann hat mich versucht zu trösten, ich bin in den Keller geflüchtet. Ich kann die Nähe im Moment nicht zulassen, ich ertrage noch nicht einmal meine Katzen. Ich kann es einfach nicht. Ich bleibe jetzt solange es geht hier unten, mein Mann soll sich freuen, ich kann es nicht… 

Das Frustshopping entwickelte sich gestern echt zu einem Shoppingmarathon. Wir sind gegen 11 Uhr in Innsbruck angekommen. Da ich mit dem Fahren auf der Autobahn nicht besonders gut befreundet bin, stieg ich mehr als erleichtert aus dem Wagen. Im Ikea verbrachten wir drei Stunden. Im Dez machten wor Hamsterkäufe (vor allen Dingen Katzenfutter und Drogerieartikel, sind eben in Österreich viel billiger als in Italien). Bis zum Abend schafften wir es einen Iveco-Lieferwagen zur Hälfte zu füllen. Auf der Heimfahrt hatte ich eine Panikattacke nach der anderen, woran dies lag? Zum ersten habe ich panische Angst weite Strecken zu fahren (ich war nur Beifahrer), zum zweiten saßen wir zu dritt im Wagen, eng aneinander gequetscht, zum dritten war ich hundemüde. Zum Glück sind wir durchgefahren und haben nicht noch irgendwo angehalten. Gegen 9 Ubr abends sind wir zuhause angekommen und benötigten eine volle Stunde das ganze Zeug abzuladen. 

Ich hoffte ja irgendwie, dass ich für einen Tag Pause von der Depression machen könnte, da wurde ich aber schwer enttäuscht. Es wird einem immer wieder gesagt, man solle rausgehen, unter Leute gehen, man solle sich bewegen. Ich hatte all das gestern und hing dauernd in meiner Endlosschleife aus Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Ich hoffte, dass das Einkaufen diese bescheuerten Gedanken und Gefühle vertreiben könnte, aber nein. 

Als wir auf der Heimfahrt waren, saß ich stumm auf meinem Platz und starrte aus dem Fenster. Das einzige Mal wo ich einen kleinen Moment Pause hatte von der Endlosschleife war, als wir über die Grenze fuhren und mit unserem nicht gerade unauffälligen Wagen in Sterzing nach der Mautstelle von der Grenzpolizei angehalten wurden. Im Moment findet in Taormina der G7-Gipfel statt, daher werden viele Fahrzeuge kontrolliert. Die Polizisten kontrollierten unsere Ausweise und fragten, wo wir denn hinwollten. „Nach Hause“, war unsere Antwort. „A quindi non andate a Taormina a fare casino dal G7“, lachte er, zu gut deutsch: aha, ihr fahrt also nicht nach Taormina um beim G7-Gipfel ein Chaos anzurichten. Er sagte es in einem besonderen Tonfall, der mich in eine Lachkrampf ausbrechen ließ. Er ließ uns ohne weitere Kontrollen weiterfahren. 

Meine Gefühlswelt ist im Moment nicht leicht zu ertragen, seit etwa 10-14 Tagen hänge ich wieder in der Depression und sie wird von Tag zu Tag schwerer zu ertragen. Ich bin furchtbar schnell müde, kaum belastbar, kann trotz meiner Liste an Medikamenten nicht schlafen, bin unheimlich gereizt und schnell auf 180, die Konzentration lässt sowieso zu wünschen übrig in letzter Zeit. Das einzige das sich mit dem Medikament gebessert hat, ich sitze nicht mehr faul herum sondern werkle irgendwie den ganzen Tag, da ich kaum stillsitzen kann. Ansonsten ist alles beim Alten. 

Ich frage mich immer wieder, warum bei mir keinerlei Therapie zu wirken scheint. Medikamente helfen kaum, die Therapien wirken, wenn überhaupt, nur kurze Zeit, Bewegung und soziale Interaktionen, die teilweise auch sehr lustig sind, wirken überhaupt nicht. Ich weiß absolut nicht was ich falsch mache, andere werden nach Therapien und geänderten Verhaltensweisen irgendwann wieder gesund. Nach drei langen Jahren stehe ich trotz allem immer noch an Ort und Stelle. Ich möchte mein früheres Leben zurück, ohne Panikattacken, meine unbändige Energie, meine Belastbarkeit, die Lust am Leben, ein Leben ohne Depression. Es kommt mir auch so vor, als würde es von Phase zu Phase immer schlimmer. Es nervt nur noch. Was ich auch mache, sie kommt immer wieder zurück, diese hartnäckige Scheiße und jedes Mal bleibt sie länger. Jedes Mal redet sie mir ein wie überflüssig ich eigentlich bin, welche Schuld ich auf mir trage. 

Besonders gestern merkte ich, dass sie mich sehr einschränkt, die Energie fehlt einfach. Ich bin kaum belastbar. Sicher, diese Woche war sehr anstrengend, aber steht in keinem Vergleich dazu, wie anstrengend die Arbeitswochen waren. Ich will mein altes Leben zurück oder gar keins mehr haben. 

Frustshopping

Ich hasse einkaufen, aber wenn es die finanziellen Mittel erlauben, fahren wir nach Innsbruck, da es in Österreich einfach viel günstiger ist. 

Gestern Abend haben mein Mann und ich unsere Einkaufsliste erstellt: als erstes gehts zu Ikea, wir brauchen ein Regal für die Küche und eine Kommode mit Vitrinentüren um Dinge wie Playstation, Receiver, diverse Router (mein Mann ist ein Technikfreak) zu verstauen. Die Vitrinentüren deshalb, da meine Katzen keine Katzen sind, sondern Nagetiere. Jeden Kabel den sie in die Finger bekommen, beißen sie ab. Nun ja, man liebt ja seine Tiere. Außerdem brauchen wir einen 6-Monatsvorrat an Katzenfutter, bei vier Tieren braucht man da einiges. 

Ich benötige einige Jeans, die die ich noch habe sind durchgewetzt und ausgebeult, also reif für die Tonne. Klamottenshopping hasse ich besonders, zumindest in Italien wo man in einem normalen Klamottenladen höchstens Größe 44 bekommt, für alles andere muss man in einen Übergrößenladen. In Österreich hingegen findet man in einem normalen Geschäft Größen bis zu 54. Ich trage 48 im Moment. 

Erst vor einigen Tagen musste ich mir einen neuen Bh kaufen. Bis jetzt trug ich immer 85DD, da mir aber irgendwie vorkam, dass mir das Ding zu klein ist, ging ich in einen speziellen Laden für große Bh’s. Die Verkäuferin fragte mich, welche Größe ich denn hätte. Ich schmunzelte und meinte, wahrscheinlich 85E, DD wäre zu klein. Das E-Körbchen drückte und meine Brüste quollen überall heraus. Jetzt trage ich 85F. Ich hasse meine Brüste. Nicht weil sie hässlich sind, eigentlich sind sie ganz ansehnlich, aber diese blöden Dinger ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Zu meinem Leidwesen belassen es einige Männer nicht nur beim Gaffen. 55 € kostete das gute Stück… 

Ich weiß, irgendwie ist alles langweilig was ich da geschrieben habe. 

Wertlos

Alleine und in Tränen aufgelöst sitze ich an der Bushaltestelle vor dem Gebäude meines ehemaligen Arbeitsgebers. Die Tränen kullern über meine Wangen und tropfen auf das Smartphone auf dem ich gerade schreibe. 

In den letzten Tagen ging es mir nicht so wirklich gut, ich war genervt, war von 0 auf 180, war traurig und niedergeschlagen, konnte nicht schlafen (von Dienstag auf Mittwoch keine einzige Minute). Heute hatte ich innerhalb von 2 Stunden 18 epileptische Anfälle. Aus Angst einen Grand Mal zu erleiden, ließ ich mich ins Krankenhaus bringen. Dort schickte man mich zuerst in die Psychiatrie. Was sollte ich da? Nun gut. Das Gespräch mit der diensthabenden Ärztin war nett und ging schnell vorbei, psychosomatisch wären meine Anfälle nicht. Ich schlurfte zurück in die Notaufnahme, da ich mir aufgrund des mangelnden Interesses keine Medikamente gegeben wurden, schmiss ich mir selbst drei Tavor ein um nicht wieder etwas zu bekommen. 

Der Arzt in der Notaufnahme schaute mich an, kritzelte irgendetwas auf seinen Zettel und entließ mich mit der Diagnose: Konversionsstörung. Ich bin echt wütend. Natürlich kann es auch das sein, aber ohne einen Neurologen zu Rate zu ziehen, schickte er mich nach Hause. Ich bin diagnostizierte Epileptikerin und ich habe einen diagnostizierten Dachschaden, aber ich bin immer noch ein Mensch. 

Die Suizidgedanken schreien immer lauter „du bist wertlos!“ Schon seit Tagen rufen sie immer wieder und immer lauter. Ich kann einfach nicht mehr…